Schottland 2013 – 6. Tag – Fort William zur Isle of Skye

Die Moskito-Plage ist draußen vor dem Netz geblieben, ich habe nach dem leckeren Essen, einem schönen Sonnenuntergang und dem Ale gut geschlafen. Wenn alles gut geht, wird es heute ein richtiger Photo-Tag: Ich stecke den Kopf aus dem Fenster und das Wetter ist super: Blauer Himmel, aber mit kleinen weißen Wölkchen! Na, geht doch!

Unsere Route führt am Eilean Donan Castle vorbei und dann auf die Insel Skye. Wenn wir gut durch kommen, können wir dort noch ein paar Motive finden. Fest vorgenommen habe ich mir den Leuchtturm Neist Point im Abendlicht. Es stehen also ein paar tolle Motive auf dem Plan.

IMG_9132_HDNachdem alles im Wagen verstaut ist, bleiben wir erst mal im Ort und schauen den Booten auf dem Kaledonischen Kanal beim Schleusen zu. Auf der A82 nach Nord-Westen bleiben wir dann nach ein paar Meilen gleich wieder im kleinen Ort Laggan hängen: Die Schleusen liegen malerisch im Tal. Der Ideale Ort um unser Frühstück zu genießen! Wir schlendern einmal am Steg entlang, schauen uns ein Hausboot von LeBoat an und überlegen, ob eine Woche Bootsurlaub auf dem Caledonian Canal ein lohnenswerter Urlaub wäre. Nach der Erfahrung auf dem Canal du Midi erscheint es einerseits sehr entspannt – aber zum anderen wartet hier in Schottland noch so viel, was man vom Boot aus nicht erreicht. Die meisten Leuchttürme bleiben einem vom Hausboot aus unerschlossen, denn dazu müsste man über die offene See fahren – was die meisten Vermieter ausschließen. Mit dem Exemplar von LeBoad, das vor uns liegt würde ich das auch gar nicht wagen wollen!

KIMG_9134_HDurz nach Laggan geht es auf die A87 hoch über dem Loch Garry weiter nach Westen. Von hier oben betrachtet soll der See die Form von Schottland aufweisen! Ich bin sicher, dass sie das ein örtliches Touristenbüro ausgedacht hat, nachdem am Nachmittag eine Flasche guter, schottischer Sonne in Flaschen die Kreativität angeregt hat! Sobald ein Landgewinnungsprojekt die Küstenlinie von John ‚o Groats bis Fraserbourgh geschlossen hat und damit Inverness im Binnenland den geografischen Mittelpunkt von Schottland definiert – dann kommen wir der Sache schon näher. Vielleicht hat man das im nüchternen Zustand jetzt auch bemerkt und lässt den Blick auf den See deshalb vom Parkplatz aus langsam zuwachsen. Jedenfalls muss ich mich auf einen schmalen Pfahl stellen, um überhaupt einen Blick zu bekommen. Was ich sehe macht mir Angst: Was sollen die Wolken da? Wir sind auf dem Weg nach Eileen Donan Castle  – und mir tropft gerade die die leichte Bewölkung auf die Linse.

Aber bis zum Castle ist es noch ein bisschen Weg weiter die A87 entlang. Sie führt am Loch Loyne und Loch Cluanie vorbei, welche beides noch Binnenseen sind. Dann aber geht es am Ufer des Loch Duich entlang, bei dem es sich schon wieder um einen Meeresarm handelt. Da unterscheiden die Schotten nicht: Alles was Wasser hat ist halt ein Loch.

Die A87 zieht sich am rechten Ufer des Lochs immer eng am Berg entlang. Man hat einen schönen Ausblick auf den Meeresarm und nachdem etwa die Hälfte der Uferstrecke abgefahren ist auch immer wieder erste Ausblicke auf Eileen Donan Castle. Es steht in jedem Reiseführer und auf der Hälfte aller Reiseführer ist auf dem Deckblatt abgebildet! Aber das auch nicht umsonst: Diese Burg liegt taktisch klug gewählt durch das Wasser geschützt, die Brücke in der Form wurde erst viel später gebaut). Es gibt am Rand der Strasse einige Möglichkeiten das Auto zu parken und einen Blick auf die Burg zu werfen. Von hier aus kann man gut die Szenerie betrachten, wie die Burg den Zugang zum Loch Duich bewacht. Wir genießen den Blick in Ruhe, denn wir können uns schon vorstellen, was gleich an der Burg auf uns wartet. Die Busse der Touristikbetreiber kommen eigentlich selten über den Kaledonischen Kanal nach Norden – nur für Eileen Donan Castle machen sie eine Ausnahme. Das muss natürlich mit im Paket sein. Daher ist Eileen Donan dann der Wendepunkt für viele Reisen.

Vor Ort gibt es dann auch einen großen Parkplatz. Wir wollen keine Besichtigung machen, von außen ist das Gebäude schon beeindruckend genug. Es ist keine große Anlage, dafür aber gut erhalten und sie bietet ein in sich stimmiges Bild. Niemand hat versucht der Mode zu folgen und es in ein Renaissance-Schloss umbauen zu wollen. Keine Schnörkel und Stuckarbeiten, die dort nicht hingehören. Auch das 20. Jahrhundert hat keine schlimmen Spuren nach außen hinterlassen. Das Ambiente lebt einfach von der Symbiose des Gebäudes mit der umgebenden Landschaft. Diese Burg passt einfach so wie sie ist hier sehr gut hin. Ob diese Wahrnehmung schon eine Folge der Rezeption der Bilderflut von Eileen Donan ist? Wenn auch, ich schau sie mir alle gern an!

Der Himmel ist teilweise bedeckt, hat sich aber schon etwas aufgelockert. Leider sind wir am frühen Nachmittag hier und die Sonne steht sehr hoch. Wir wollen auch noch weiter, so dass ich mit dieser Lichtsituation jetzt halt zu leben habe. Daher bin ich mit den Wolken ausnahmsweise einmal zufrieden. Sie nehmen dem Licht die Härte und zudem sind es noch Cumuli – die geben dem Bild eine gewisse Dramatik.

Am meisten wird das Schloss von der Vorderseite fotografiert, wo die Brücke einen Blickfänger darstellt. Das kann ich bei dem Andrang heute vergessen. Häufig sieht man auch die Ansicht von Süden kommend. Fährt man jedoch nach Norden weiter über die kleine Brücke und biegt dort sofort links ab, so kommt man an einen Parkplatz mit einem kleinen Café. Dort hat man einen wundervollen Blick auf die Burg und Loch Dich im Hintergrund. Und komischerweise steht unser Auto hier allein und niemand fotografiert mit mir. Das gefällt mir schon viel besser.

Da ich heute noch etwas vor habe, auf das ich mich noch mehr freue als auf Eilean Donan Castle, fällt mir der Abschied nicht schwer. Entlang des Lochs führt uns die A87 schnell bis nach Kyle of Lochalsh. Hier steht seit 1995 die Skye Bridge, die es uns ermöglicht bequem trockenen Fußes auf die Insel Skye zu kommen. Und das kostenlos! Das war nicht immer so: Die Brücke wurde aus privaten Geldern finanziert und anfänglich durch eine Mautgebühr gegenfinanziert. die Brückenmaut war teurer als die die Fährkosten vorher, die Fähre aber eingestellt worden. Bis der freiheitsliebende Schotte auf den Plan kam: Eine Protestbewegung zwang letztlich durch zivilen ungehorsam die Politik in die Knie! Die Brücke wurde verstaatlicht und ist seitdem kostenfrei zu nutzen. Diese Geschichte macht mir die Schotten sympathisch und sicherlich ist die kostenlose Brücke inzwischen auch kein schlechtes Argument für den Tourismus auf Skye.

 

Neist Point

Talisker

 

 

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